Neuform China Reihe: China und Deutschland – zwei ungleiche Industriegiganten

Ein Überblick über den Wandel von Chinas Industrie von der Werkbank der Welt hin zu qualitativer Fertigung.  

In unserer “Neuform China Reihe” berichten die deutschen Mitarbeiter unseres Teams in Guangzhou über die Zusammenarbeit mit Fabriken, die Fertigung vor Ort und alles, was relevant für deutsche Einkäufer beim Aufbau einer Lieferkette in China ist.

Made in China – nach wie vor ruft diese Angabe bei vielen deutschen Einkäufern eher negative Assoziationen hervor, nach billiger Massenfertigung und minderer Qualität. Dabei übersieht man leicht, dass sich das Land in rasantem Tempo entwickelt und seine Wirtschaft diversifiziert. Klassische Niedriglohnsektoren wie die Textilbranche sind schon lange weiter gezogen nach Südostasien oder Afrika, die Einkommen in China nähern sich denen in Osteuropa an. Löhne steigen natürlich nicht grundlos, und so kann sich China heute im Hinblick auf Qualität in vielen Branchen mit entwickelten Ländern messen und sie in einigen sogar übertreffen. Trotzdem bleibt Outsourcing für deutsche Unternehmen häufig weiterhin attraktiv, auch wegen der Kosteneinsparungen, aber längst nicht mehr nur aus diesem Grund.

Als Spezialisten für die Fertigung mechanischer Bauteile aus Metall und Kunststoff in China möchten wir in diesem und den folgenden Beiträgen einen Überblick über die Chancen und Herausforderungen bei der Herstellung in Fernost geben.

Der chinesische Markt – jung, schnell, kompetitiv

Anders als deutsche Unternehmen blicken chinesische nicht auf mehrere Generationen Familientradition zurück. Selbst die ältesten unter ihnen sind nicht vor 1980 gegründet worden, davor gab es in China kein Privatunternehmertum. Der große Boom kam in den 1990er Jahren und mit ihm eine Schwemme an Klein- und Kleinstunternehmen die sich nach dem richteten, was gerade gebraucht wurde. Was damals produziert wurde entsprach zunächst sicherlich nicht den Maßstäben der deutschen Industrie, aber in den kommenden Jahren begann ein Selektierungsprozess. Größere Unternehmen entstanden, mit eigener Qualitätssicherung und Spezialisierung auf den Exportmarkt. Viele von ihnen werden auch heute noch vom Firmengründer geführt und produzieren trotz deutlich geringerer Preise qualitativ auf europäischem Niveau. Als größter Exporteur der Welt gibt es zudem nichts, was in China nicht zur Herstellung angeboten würde, von Chemikalien über Frästeile bis zu Stofftieren. Noch ist die Spreu aber lange nicht vom Weizen getrennt und die Dynamik des chinesischen Marktes sorgt dafür, dass permanent neue Zulieferer entstehen und andere ihr Geschäft aufgeben, in einer in Deutschland unvorstellbaren Frequenz. Mit Expertise, Präsenz vor Ort und persönlichem Kontakt lassen sich aber auch für mechanische Bauteile und Produkte mit hohen Qualitätsanforderungen große Preisvorteile erzielen. Nicht nur das, sehr oft sind darüber hinaus frühere Lieferzeitpunkte im Vergleich zum Einkauf in Europa möglich.

Die Clusterung der chinesischen Industrie – ein Vorteil für Einkäufer

Auch die Verteilung der Industrie im Land sieht in China gänzlich anders aus als in Deutschland. Zwar gibt es bei uns strukturschwache und -starke Regionen, aber gerade der Maschinenbau ist großflächig vertreten, auch auf dem Land und in kleineren Städten. In China dagegen sind Industrien sehr stark um ein paar große Städte geclustert, etwa die Modeindustrie in Shanghai oder Elektronik in Shenzhen. Dasselbe gilt auch für den Maschinenbau und Lohnfertigung - der Großteil der relevanten Zulieferer hierfür sitzt im Perlflussdelta um Guangzhou und Shenzhen. Als Einkäufer liegt hierin natürlich ein großer Vorteil, da vor Ort Inspektionen und Qualitätssicherung meist ohne lange Anreise erfolgen und Anbieter bei Bedarf schnell persönlich in Augenschein genommen werden können. Auch ist dadurch Vergleichen einfacher und somit der Konkurrenzdruck größer, was sich auf Einkäufer nur positiv auswirkt.

Der Wettbewerbsvorteil Chinas verschiebt sich langsam von Preis zu Leistung

Die Werkbank der Welt ist China wohl nicht mehr. Wer nach günstigen Arbeitskräften für einfache manuelle Tätigkeiten sucht, muss dies anderswo tun. Doch während das Land für Hersteller von billigen Konsumgütern zu teuer wird, rückt es für eine ganz andere Sorte von Unternehmen in den Fokus, nämlich qualitätsbewussten Produzenten und Zulieferern in der Industrie. Hier herrscht ein großer Bedarf an kundenspezifisch gefertigten Teilen, die in der Herstellung mäßig komplex sind, aber bei denen dafür höchster Wert auf Qualität und Zuverlässigkeit gelegt wird. Solche Projekte sind in China mittlerweile gut durchführbar. In den nächsten Beiträgen wollen wir zeigen, aus welchen Gründen Auftragsfertigung in China Sinn macht und für welche Art von Aufträgen sie infrage kommt.

 

Bei Interesse an der Fertigung von CNC-Bauteilen, kontaktieren Sie gerne unser Team für mehr Informationen.